03.07.2013

Ural

In Ekaterinburg haben wir versucht neue Reifen für Michael zu bekommen. Das war nicht ganz einfach weil Motorradfahren auch hier kein besonders verbreitetes Hobby ist, aber in einem Laden gabs dann einen Vorderreifen und nach einigem Telefonieren konnte er in einem anderen Laden den Hinterreifen kaufen. Solche Organisationsphasen dauern immer recht lange. Keiner von uns ist besonders gerne in den größeren Städten weil man sich dann immer um einen sicheren Platz kümmern muss, wo man die Motorräder lassen kann. Wenn man Glück hat, kann man in einer privaten Garage unter kommen aber sonst muss man den bewachten, aber offenen, Parkplätzen vertrauen und bei Motorräder ist das so eine Sache... Dafür ist es zur Abwechslung natürlich mal ganz interessant etwas durch die Stadt zu laufen.

Nun zelten wir im Uralgebirge. So richtige Berge sind das hier aber nicht. Es erinnert mich eher ans Sauerland. Obwohl es schon 23:30 ist, ist es immernoch nicht dunkel. Das liegt daran, dass die Russen sich hier eine Zeitzone sparen. Bei Kirov sollten wir die nächste Zeitone erreichen (Moskau) und die Uhren dann gleich zwei Stunden vor stellen. Etwas merkwürdig.

Momentan ist nicht klar, ob wir wirklich die ganze Rückreise zusammen machen werden. Die Ansprüche an die Reise und die Reisegeschwindigkeit gehen etwas auseinander. Ich habe gelernt, dass ich überall etwas interessantes finden kann und fahre lieber langsam und halte oft an. Ich muss nicht weit kommen. Im Gegenteil, ich habe kein Interesse daran zu früh wieder zuhause zu sein. Michael möchte lieber möglichst direkt durch Russland nach Skandinavien fahren. Für mich bedeutet diese Reise aber viel mehr als Urlaub, denn ich will ja etwas mitkriegen von der Gegend durch die ich fahre, zumal ich Russland gesellschaftlich und landschaftlich interessant finde und hier schon noch zumindest zwei Wochen sein wollte. Je langsamer man reist, umso besser ist es eigentlich auch. Ich habe mir aber überlegt, dass sich letztlich Michael und Steffan mir anschließen wollten und nicht anders herum. Insofern werde ich nun mein Ding durch ziehen und wer mit möchte kommt mit. Wer anders reisen möchte, schneller und mit weniger Fotostopps, muss halt alleine weiter. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass das so schnell keiner von beiden machen wird. Ich für meinen Teil habe jedenfalls keine Angst mehr davor alleine zu sein, ist man eh nicht so viel wie man denkt. Nur zelten ist zusammen halt viel lustiger - so wie jetzt zum Beispiel. Zusammen kochen und Feuer machen - schon fein :) Wird aber schon werden, ab jetzt fahre ich vor.

Die Dorfidylle abseits der Hauptroute hat mich heute Nachmittag durchaus begeistert. So viele Bäume und Holzhäuser! Da freut sich der Holzwirt. Und da kommt man eben nur hin, wenn man die schnelle Straße verlässt...