10.06.2013

Über Schmierseife nach Shalkar

Vor ein paar Tagen habe ich in einem Truckstop Stephan getroffen. Er kommt aus Holland und war mit seiner 250er Kawasaki auf dem Rückweg aus Kirgistan und Kasachstan. Da er auch alleine reist, fand ich es sehr interessant mich mit ihm auszutauschen. Wir haben viele ähnliche Erfahrungen gemacht was campen, Leute treffen usw. angeht. Ich finde z.B., dass es in Kasachstan besonders schwierig ist sich zu verständigen. Die Leute sind irgendwie etwas unbeholfen sich mit zeichnen, zeigen, Gestik usw. auszudrücken oder zu verstehen was ich meine. Einfachste Sachen wie z.B. im Hotel ein Zimmer zu mieten, werden plötzlich sehr kompliziert. Dabei ist es doch eigentlich immer das gleiche. Stephan hat unabhängig von mir ähnliche Erfahrungen gemacht. Genau wie die beiden Jungs aus den USA, die ich auf dem Weg nach Shalkar getroffen habe. Die wollen von England nach Australien laufen und haben es schon bis Kasachstan geschafft - Wahnsinn. www.borderwalk.co.uk

Tatsächlich hat es an dem Tag mal geregnet. Dies wurde natürlich schnell zu einem großen Problem, da sich die Straßen zu Schmierseife verwandeln und die LKW alles ordentlich umgraben. Es war die Hölle. Ich bin froh, dass mir das Motorrad nur ein mal hingefallen ist. Hätte ich gewusst was kommt hätte ich frühzeitig das Zelt aufgebaut. So habe ich mich irgendwie nach Shalkar durchgekämpft, nass bis auf die Unterhose und das Motorrad etliche Kilo schwerer durch den ganzen Schlamm. Der absolute Wahnsinn.

Das sind die Momente, wo man körperlich und mental an gewisse Grenzen stößt. Stephan meinte zuvor, dass er die Strecke auch im Regen versucht hat und umkehren musste. Bei ihm waren es aber auch drei Tage Regen und nicht einer.
Ich habe mir deswegen jedenfalls einen Tag Pause gegönnt um einiges zu reparieren, zu waschen und die Ventile am Motor einzustellen. Im Hotel (eher eine Art Hostel) wurde ich auch gut unterstützt und hatte gute Gesellschaft. Könnte daran liegen, dass Stephan einige Tage zuvor auch schon dort übernachtet hat und die sich nun schon über Motorradfahrern freuen :)

Leider gibt es hier keine Duschen. Nicht in Hotels und auch sonst nicht. Man hat mir vorgeschlagen in die Sauna zu gehen - ich glaube nicht, ohne Dusche ist das das letzte was ich mache.

Heute wollte ich dann zu den Schiffswracks am Aralsee fahren. Leider stimmt die Karte an der Stelle nicht und ich habe den Vormittag damit verbracht die Straße zu suchen. Ich habe mich durchgefragt und bin auf einer Sandpiste gelandet, allerdings mit ganz feinem, losen Sand. Das Motorrad sinkt da einfach ein und wird unmanövrierbar. Das Hinterrad gräbt sich ein und das wars dann. Gibt kein vor und kein zurück und wenden geht natürlich auch nicht und da steht man dann alleine bei dreißig Grad ohne Schatten. Scheiße. Ich habe versucht das Motorrad freizuschaufeln (die Schaufel hatte ich ursprünglich für etwas anderes gekauft...) aber zum Schluss musste ich alles abladen und das Motorradheck aus einem Loch heraus heben. Ich wusste gar nicht, dass ich das kann. Wenden ging wie gesagt nicht, also musste ich das Motorrad herum schleifen. Auf dem Rückweg habe ich mich dann wieder hingepackt und war echt bedient. Ich war so froh da wieder rausgekommen zu sein! Dann wurde mir noch ein anderer Weg erklärt, angeblich festerer Schotter. Zunächst stimmte das auch, aber später war es doch wieder Sand. Leider war ich schon wieder ein Stück (100 Meter) hinein gefahren und durfte also schon wieder graben. Es kann doch nicht so schwer sein zu diesen weltberühmten Schiffen zu kommen!?

Ich habe heute drei mal das Motorrad hingeschmissen und hatte zwei mal Glück, dass im entscheidenden Moment doch jemand helfen konnte. Alleine hätte ichs auch irgenwie geschafft, hätte aber deutlich länger gedauert. So ein Dreck. Ich habe es versucht, ich habe gekämpft, und ich habe verloren. Das habe ich irgendwann auch eingesehen und somit hat immerhin die Vernunft nen Teilsieg errungen. Ich habs ihr aber nicht leicht gemacht.

Eventuell kommt man ja von Süden aus besser dort hin aber ich glaube ich habe keine Lust mehr das auszuprobieren. Die technischen, körperlichen und mentalen Grenzen wurden jetzt langsam oft genug ausgelotet.

In Yrghyz gab es wider erwarten kein Hotel. Nach kurzer Ratlosigkeit kam Ruslan im Auto vorbei und hat mich zu sich eingeladen und so habe ich nun Gelegenheit eine kasachische Familie kennen zu lernen :) Irgendetwas passiert immer.