Streckenplanung und Idee der Reise

Die Idee

Die Idee wo genau ich entlang fahren wollte ist erst nach und nach gereift. Für mich war allerdings irgendwie immer klar, dass es Richtung Osten gehen sollte.

Ich wollte etwas machen, wozu ich sobald nicht wieder die Gelegenheit haben würde. Größer, länger und weiter als alles bisherige.
Die Reise mit meinem Freund Michi nach dem Zivildienst war ja schon großartig:
Wir hatten viel Zeit, denn zwischen Zivildienst und Studium lag ein halbes Jahr, und konnten diese auch noch sorglos nutzen, weil das Studium bereits in trockenen Tüchern war. Außerdem hatten wir durch den Zivildienst auch noch etwas Geld zur Verfügung. Diese Situation schien zunächst einzigartig und musste unbedingt genutzt werden.
Das haben wir schließlich auch gemacht und sind 7 Wochen lang, 11.000 Kilometer weit um Frankreich gefahren. Danach dachte ich, das wars jetzt.

Inzwischen dachte ich mir, das kann es einfach noch nicht gewesen sein!

Man kann sich ja ausgiebig über das Bachelor/Master-System beschweren. Dennoch bietet das Studium nach wie vor mehr Freiheiten als alle Alternativen die mir einfallen. Auch wenn man heutzutage stärker unter Druck gesetzt wird als früher, hat man immer noch die Möglichkeit sich die gleichen Freiheiten zu nehmen wie zuvor auch. Man muss es nur machen - und finanzieren. Aber auch das war vorher nicht anders.
Zum Schluss des Bachelors stand ich also vor der Entscheidung, entweder flott meine Abschlussarbeit zu schreiben um direkt mit dem Master fortzufahren - oder aber stattdessen mehr zu arbeiten und Geld zu sparen, die Abschlussarbeit im ohnehin langweiligen Winter zu schreiben, um dann den Sommer wieder einmal für eine richtig geile Reise zur Verfügung zu haben. War keine schwere Entscheidung.

Wesentlich schwieriger fand ich die Überlegung, wie lange man bloß weg fahren kann, ohne dabei seine Freundin im Stich zu lassen. Also habe ich die Zeit langsam herunter gerechnet. Ich wäre nicht begeistert, wenn meine Freundin 6 Monate woanders wäre und erst recht nicht ohne verlässliche Internetverbindung (was bei Motorrad-Fernreisen ja nun einmal nicht ausgeschlossen ist...). 5 Monate entsprächen einem Auslandssemester, aber da hat man wenigstens die Möglichkeit sich zwischendurch zu besuchen. Und 4 Monate erschienen mir so langsam vernünftig, denn schließlich wollte ich ja gerne deutlich länger weg als bei der ersten großen  Fahrt. Zum Glück unterstützte Joana meinen Plan, sonst hätte ich mich wahrscheinlich nicht dazu durchringen können.

Aber wie weit kommt man in 4 Monaten? Dazu haben ich im Forum bei horizons-unlimited gute Anhaltspunkte gefunden. Ich rechnete mit ca. 25.000 Kilometern und habe darauf die weiteren Annahmen begründet, wie zum Beispiel bei der Reifenwahl. Tatsächlich wurden es 21.000 Kilometer.

Ich wollte eine Rundtour planen - möglichst auf dem Landweg. Nur in eine Richtung zu fahren und den Rückweg per Schiff oder Flugzeug anzutreten, wollte ich unbedingt vermeiden. Russland stand von vorneherein fest. Die Türkei lag auf dem Weg, zumal ich einen pünktlichen Sommeranfang verlockend fand. Faszinierend war außerdem Kasachstan. In der Steppe zelten mit 360 Grad Horizont - hätte was. Aber die Straßen sollten sehr schlecht sein und das Land ist nun mal sehr groß... Bei einem Unfall wäre ich vermutlich fürs erste auf mich allein gestellt gewesen.
Würde es klug sein sich diese Strecke im Alleingang zuzumuten? Ich kam zu dem Schluss, dass es machbar sein sollte.
Also wollte ich nach Kasachstan in Russland noch ein Stück weiter nach Osten bis mir die Zeit aus geht und danach wieder zurück in Richtung Skandinavien.
Hätte ich mich stark verrechnet und wäre zeitlich in Verzug gekommen, hätte ich den Bogen auf der Rückfahrt flacher schlagen können ohne die Ostsee zu umrunden. Eigentlich wäre der Baikalsee ein schönes Ziel gewesen aber da ich im wesentlichen die gleiche Straße etliche Tage lang hätte hin und zurück fahren müssen, habe ichs später aus diesem und anderen Gründen gelassen.


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