30.05.2013

Russland

Gestern am 29.5. bin ich mit der Fähre in Sochi gelandet. Die Fahrt ansich war schon irgendwie ein Erlebnis für sich. Außer meinem Motorrad waren nur noch zwei Autos an Bord und sonst nur Passagiere. Das Schiff hat schon ziemlich geschaukelt und ich war froh, dass meine XT ordentlich verzurrt war. Mir ist auch ein Bisschen übel geworden und ich habe mich früh in die Koje gelegt, was die Sache aber auch nicht besser gemacht hat. Wie ich später beim Toilettenbesuch sah, ging es manch anderem aber noch deutlich schlechter - die Waschbecken sahen dementsprechend aus. Zum Glück habe ich Juri kennen gelernt. Er ist ein Arzt aus Russland und spricht etwas Englisch. Wir haben uns sehr gut verstanden und lange geredet. Ein paar russische Wörter habe ich auch von ihm gelernt. Beim Einlaufen in den Hafen haben wir uns leider aus den Augen verloren.

Die drei Fahrzeuge kamen bei der Einreise natürlich als letztes dran, also musste ich noch ein paar Stunden im Laderaum warten bevor ich zu den Grenzbeamten durfte. Lobend zu erwähnen ist hierbei, dass die meisten ausreichend Englisch können. Trotzdem hat die Einrese im Endeffekt den kompletten Vormittag gedauert - nervig. Ohne eigenes Fahrzeug wäre es viel schneller gegangen. Ich hasse es, irgendwo zu warten ohne zu wissen worauf eigentlich. Naja, grundsätzlich sind die Grenzbeamten schon hilfsbereit aber doch irgendwie so wie man sich russische Beamte halt vorstellt.

Ich habe dann versucht ein Hotel zu finden aber da ich kyrillisch im vorbeifahren noch nicht auf die Reihe kriege, war das gar nicht so leicht. Also wie immer - einfach mal wen fragen. Irgendwann bin ich auf Sergej gestoßen, der ein Bisschen Englisch und ein Bisschen Deutsch spricht. Wir sind zusammen zu Andrej,einem Freund von ihm, gefahren. Der hatte eine größere Menge Schnaps am Start und der Abend wurde ganz lustig , auch wenn ich kein Wort verstanden habe. Ich war einfach froh Russland erreicht zu haben.

Um 20:00 Uhr war für mich aber absolut Feierabend und ich bin ziemlich voll ins Bett gefallen. Genau richtig, wie ich heute morgen feststellen konnte, denn im Gegensatz zu Andrej und Sergej hatte ich keinen Kater :) Kaum bin ich in Russland... Ich bin sehr froh die beiden getroffen zu haben. Genau wie Juri. Das waren gleich so vertraute Kontakte, richtig schön.

Ansonsten komme ich mich mir in diesem Land aber irgendwie unglaublich fremd vor. Das hatte ich nicht erwartet, da die Türkei ja kulturell eigentlich weiter von Deutschland erntfernt sein sollte als Russland. Tatsächlich gab es in der Türkei aber doch einige Leute die Deutsch sprachen und in den touristischen Gebieten natürlich auch Englisch. Hinzu kamen die anderen Reisenden.

Hier ist dem Mentalität plötzlich etwas anders, nicht mehr ganz so offen wie in der Türkei. Und ich kann kaum was lesen, kaum jemanden verstehen und kaum etwas zum Ausdruck bringen. Die Leute auf der Straße sind hilfsbereit und auch geduldig aber im Geschäft habe ich ein kleines Bisschen den Eindruck, dass man nicht so sehr daran interessiert ist etwas zu verkaufen wie in Deutschland. Ich habe z.B. versucht zusammen mit Sergej eine russische Sim-Karte zu kaufen, das war eine Katastrophe. Ich glaube selbst hätte ich die gar nicht kaufen können, das ging nur weil Sergej unterschrieben hat. Ich habe auch keine Ahnung wie hoch die Kosten jetzt genau sind aber was solls. Sollte günstig sein und es ist anscheinend eine Art Prepaid.

In drei Tagen verlasse ich so wie so die Region wie die Karte gilt und dann kann ich sie weg schmeißen. Selbst sowas profanes wie nen Hamburger kaufen ist plötzlich schwieriger. Da mir der Geldautomat auch immer nur große Scheine ausspuckt gibts im Laden immer lange Gesichter. Immerhin, das Benzin bezahle ich bei 80 Cent pro Liter mit 95 Oktan aus der Portokasse. 2 Euro pro Liter in der Türkei waren schon etwas anderes... Man kann auch 92 Oktan nehmen, dann wirds noch günstiger.

Ansonsten bin ich sehr damit beschäftigt, immer die Geschwindigkeitsvorschriften zu beachten weil die Polizei hier echt omnipräsent ist. Hab einfach keinen Bock auf Ärger. Nur mit dem Überholverbot ist das so eine Sache weil die alten Sowjet-Trucks oft sehr langsam durch die Berge fahren und dabei aber eine ungelaubliche Wolke aus dem Auspuff blasen. Wenn ich die Luft nicht mehr anhalten kann muss ich halt vorbei.

Meistens war ich auf der Fernstraße unterwegs, das ist einfach eine normale Landstraße mit einer Spur pro Seite. Zwischendurch bin ich 150 Kilometer über eine Hauptstraße gefahren. Ich war wirklich froh mit einer Geländemaschiene zu fahren, sonst muss man tierisch aufpassen. Während ich das eine oder andere Loch noch mit hoher Geschwindigkeit mitnehmen kann kann, müssen sich die normalen Autos ganz langsam das beste Stück Straße heraussuchen. Nicht die ganze Zeit aber Abschnittsweise. Eine komplette Abfahrt vom Berg war leider ohne Asphalt. Eigentlich mag ich sowas ja, aber nicht wenn es um Serpentinen geht und die zahlreichen LKWs die Straße in eine Staubwolke hüllen. Teilweise konnte ich die Straße schlichtweg nicht mehr sehen. Auch ein guter Grund bei nächster Gelegenheit zu überholen. Zum Glück durfte ich mich im Hotel mit dem Staubsauger etwas entstauben :)

Naja, ich bin gespannt was die nächsten Tage kommt. Vielleicht ist es ja wie in Rumänien - erst der Kulturschock und dann Begeisterung? Mal sehen.