04.06.2013

Elista bis Kazakhstan

Nachdem ich in Mineralnye Vody aufgebrochen bin, wollte ich nach Elista fahren. Sergey hatte mir dort ein Kvartira organisiert. Viele Leute vermieten eine Wohnung oder ein privates Zimmer und auf entsprechenden russischen Internetseiten kann man sich diese dann reservieren - wenn man russisch kann. Im Vergleich zu Hotels sind sie sehr günstig und ich fands gut, die Übernachtung schon geregelt zu wissen. Auf der Karte gab es eine recht direkte Strecke, die allerdings teilweise ohne Asphalt sein sollte. Naja, so tragisch kann das ja nicht sein, dachte ich mir und als ich dort ankam, war es einfach eine Schotterpiste auf der man auch problemlos 80-90 km/h fahren konnte. Da ich blöd genug war tanken auf später zu verschieben und mir irgendwann doch Sorgen machte, habe ich den Fahrer eines Transporters gefragt ob es hier auf dem Dorf eigentlich Sprit gibt. Ja - welch ein Glück - aber diese Strecke dürfe ich auf keinen Fall fahren, das geht nicht und ich soll 200 Kilometer Umweg machen. Heftiges Kopfnicken der umstehenden Männer. Hmm. Angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit war das für mich keine Option und ich habe mich dann durgesetzt. Er hat mir noch die richtige Piste gezeigt, hat mir noch alles Gute gewünscht, und war beruhigt, dass ich ein GPS habe.

Ihr könnt euch denken, dass ich anschließend herausgefunden habe warum. Ich glaube ohne GPS hätte ich in der Steppe campen müssen, denn es gibt ständig mehrere Pisten in ungefähr die gleiche Richtung, aber eben doch nicht genau die gleiche und irgendwann konnte ich mich auch nicht mehr so recht entscheiden, welches denn jetzt die "richtigste" bzw. "falscheste" ist. Selbst mit GPS nicht trivial. Diese Piste hat Stunden gekostet. Mit gegrillter Kupplung und auch anstonsten stark beanspruchtem Material war ich irgendwann durch, aber dazwischen nervlich auch ziemlich am Ende. Sowas mache ich alleine nicht noch mal.

Auf dem Foto siehts nicht so tragisch aus - wenn es besonders anstrengend war hatte ich besseres zu tun als das Handy raus zu holen. Wobei ich erwähnen muss, dass ich mein Handy liebe, weil es nämlich ganz im Gegensatz zu meinem teuren GPS-Gerät immer GPS-Empfang hat. Man sollte sich nicht auf diese Geräte verlassen... nur mit der 1:2.000.000 Karte wird man aber auch nicht glücklich...

Naja, in Elista hat mir Marina dann meine kleine Einzimmerwohnung in einem richtig coolen Block vermietet. Ich fands einfach nur super auch mal so zu wohnen und bin zwei Nächte geblieben um bei der Gelegenheit die Reifen und das Motoröl zu wechseln. Interessanter Weise war letzteres schlichtweg nicht zu bekommen. In Russland fährt man eher Auto und nicht Motorrad, das ist nämlich zu gefährlich. Aber die Reifen konnte ich wechseln und zwar in einer winzigen Werkstatt im Container. Ausgebaut habe ich sie schon selbst aber das Reifenwechseln an sich macht alleine keinen Spass. Ich wurde, mal wieder, für verrückt erklärt - diesmal weil ich solche schönen Reifen schon wechseln will. Ich wollte das Gewicht aber endlich los werden, zumal ich weiß, dass ich bis Deutschland keine neuen Reifen brauchen werde (beim normalen Verschleiß).

Man wollte kein Geld von mir annehmen. Vielleicht wegen der Reise, aber ich vermute auch, dass sie meine alten Reifen für wesentlich mehr Geld weiter verkaufen können als sie jemals für die Arbeit gefordert hätten.

Auf dem Weg nach Astrakhan habe ich tatsächlich den ersten richtigen Kontakt zu anderen Motorradreisenen gehabt. Ana und John aus Rumänien (www.intotheworld.eu) sind schon auf einer Maschiene durch Afrika gefahren und sind nun auf zwei Maschienen auf dem Weg durch die -stans und die Mongolei und China. So haben wir uns für den Weg nach Astrakhan zusammengeschlossen und hatten eine super Zeit. Poblemlos auf Englisch unterhalten, schon wieder viel interessantes über Rumänien gelernt... :-)

Da in Rumänien im Moment so wie so alles Mist ist, haben die beiden Architekten halt alles verkauft und reisen nun - der beste Zeitpunkt, wie sie meinen.
Wir haben ein paar kleine Salzseen gefunden und John hat es sich auch nicht nehmen lassen mit dem Motorrad darauf herum zu heizen. Ich habs mal lieber gelassen. Landschaftlich kam es mir seit der Piste nach Elista schon alles sehr wie Kasachstan vor und nun fuhren wir wirklich schon hunderte Kilometer durch die Steppe bis es am Wolga-Delta wieder grün wurde. Leider auch in Verbindung mit viel zu vielen Fliegen die einen überfallen sobald man anhält. Dann finden sie auch schnell den Weg in den Helm und man wird wahnsinnig. Da wir so schön zu dritt unterwegs waren, war es klar, dass wir zelten wollten. Aber nicht so nah am Delta - wir hätten es uns denken können. Also sind wir zähneknirschend zurück in die Steppe gefahren. Dort gibt es zwar auch noch Fliegen, Horden an Heuschrecken und zumindest eine Spinne in Kreditkartengröße, aber es war trotzdem prima. Da habe ichs wieder gemerkt: ich mag zelten! Nur nicht so gerne alleine.

Heute wollte ich dann allerdings schon nach Kasachstan fahren während die beiden einen Tag Pause machen wollten. In Astrakhan habe ich mich natürlich wieder verfranst. Was sperren die auch einfach so diese wichtige Brücke?? Wie das aber immer so ist, hab ich auf diese Weise zuerst mein ersehntes Motoröl bekommen und später eine Werkstatt gefunden, die den Ölwechsel gemacht hat. Ohne Aufsicht ging das allerdings nicht - bei der XT ist der Ölwechsel halt etwas komplizierter als beim Auto. Der Mechaniker wollte von mir kein Geld annehmen obwohl ich ihm für den guten Job gerne welches gegeben hätte, stattdessen hat er mich in seine Wohnung zum Mittagessen eingeladen. Ich finde es immer wieder fantastisch wie alles zusammen kommt und immer wieder zeigt sich der triviale Zusammenhang: um Menschen zu treffen muss man Umwege als Chance betrachten und halt anhalten - dann passiert es fast von selbst, gerade wenn man von seinem Plan abweicht. Wer jeden Tag nur seinen Plan verfolg und 400 Kilometer abreißt hat selbst schuld.
Die Grenze zu Kazakhstan war völlig unproblematisch! Ich war innerhalb von 10 Minuten durch die russische Kontrolle und die Kasachischen Einreiseformalitäten halten sich auch sehr in Grenzen und die Beamten sind freundlich - 15 Minuten. Aber auch nur weil ich mich mit dem Motorrad an der Schlange der wartenden Autos einfach bis ganz vorne vorgedrängelt habe. Das war nicht meine Idee! Die Russen haben gesagt ich soll das mal machen und es hat sich tatsächlich auch keiner darüber gewundert.

Hinter der Grenze ist es landschaftlich auch ziemlich bald so, wie man sich Kazakhstan vorstellt. Sand, Steppe, miese Straße - und Kamele! Ich kann damit leben, die Straße ist asphaltiert, hat aber sehr viele, sehr große und sehr tiefe Schlaglöcher. Wenn man nicht zu schnell fährt, kann man mit dem Motorrad einfach immer drum herum fahren. Die Autos und LKWs freuen sich da weniger. Ich bin im Moment definitiv der schnellste.

Als erstes habe ich mir eine Simkarte gekauft - das ist kein Problem und günstig. Nur die Damen im Handyshop haben sich prima über mich amüsiert. Wohl noch nie mit nem deutschen Reisenden gesprochen oder wie!? Mich hat dann Vlad gerettet, der englisch kann. Ich hab seine Handynummer und E-Mail-Adresse falls ich Probleme habe. Und was ist er von Beruf? Grenzpolizist :-) Finde ich richtig gut.