08.07.2013

Das Holz

Inzwischen befinden wir uns bei Ferapontovo. Die russischen Straßen sind im Wesentlichen gut und wir kommen entsprechend flott voran. Meistens gibt es eine Route die sich besonders anbietet und auf der Straße fährt man dann halt stundenlang geradeaus. Natürlich nutzen wir jede Möglichkeit um von den Hauptrouten abzuweichen um uns nicht mit so vielen LKW herumschlagen zu müssen. Dabei kommen wir immer wieder durch kleine Ortschaften, die oftmals sehr rudimentär sind. Hier hat der Holzbau noch die größte Bedeutung. Meistens handelt es sich um kleine alte Blockhäuser. Zwei Drähte für die Stromversorgung dran genagelt und das wars. Vieles ist zwar verfallen aber es gibt auch sehr viele Neubauten in Blockhausbauweise, die dann auch auf dem Stand der heutigen Zeit sind. Kein Wunder bei der Menge Holz die es hier gibt. Die Holz- und Forstwirtschaft ist allgegenwärtig :)

Man fährt manchmal halt den ganzen Tag durch Waldgebiete und sieht Holztrucks am laufenden Band. Es ist immer wieder herrlich, wenn mit deutlichem Krachen der erste Gang eingelegt wird. Da ist nicht viel synchronisiert im Getriebe.

Kleine Sägewerke habe ich auch einige gesehen. Wäre natürlich interessant was für Technik dort arbeitet aber ich habe mir nicht die Mühe gemacht das auszuspionieren.
Die letzten Tage waren irgendwie etwas anstrengend weil es unglaublich heiß war. Tatsächlich waren die Temperaturen in Kasachstan noch deutlich höher aber hier ist die Luftfeutigkeit anscheinend größer und somit schwitzt man ohne Ende. Hinzu kommen Horden von Mücken und vor allem Fliegen, die einem jede noch so kleine Pause vermasseln. Man traut sich kaum den Helm abzunehmen. Somit haben wir auf campen meistens verzichtet. Man müsste das Zelt aufbauen und dann gleich drin bleiben weil man sonst wahnsinnig wird. Kochen kann man dann vergessen.
Aufgrund der Temperaturen parken vor den meisten Brücken diverse Autos weil die Russen zur Erfrischung in Schaaren an die zahlreichen Flüsse fahren und baden.
Zuletzt sind wir an einigen verfallenen Kirchen vorbei gekommen. Wenn man eine Kirche sieht, ist sie meistens auch kaputt. Schade, weil sie früher sicherlich sehr schön waren. Teilweise ist alles so zugewuchert dass man nicht einfach so bis zur Kirche kommt. Zur einen Kirche haben wir es somit nicht geschafft, nur einige Grabsteine waren im meterhohen Gras zu finden.
Als wir uns am Abend gerade in eine Unterkunft eingebucht hatten und schon am auspacken waren, hat uns Aptem (also Artiom gesprochen) angesprochen, dass wir bzw. unsere Motorräder hier nicht so bleiben können. Die würden sonst über Nacht geklaut werden. Aha, deswegen wollte man uns das Zimmer also zuerst nicht so gerne vermieten. Er hat uns dann umgehend wieder ausquartiert und ist mit uns zu einer anderen Unterkunft gefahren, die er für sicherer hielt. Wie sich herausstellte, ist er der Präsident des örtlichen Motorradclubs "Crazy Clowns" und hat uns in die Garage eingeladen.

Wir hatten einen prima Abend und wie so oft muss ich feststellen: auf die wenigen Motorradfahrer ist immer Verlass. "You can always count on Crazy Clowns Motorcycle Club". Nachts bin ich ziemlich blau ins Bett gekommen. Für die anderen Jungs waren die paar Gläser Bier und Vodka natürlich noch gar nichts, das ist mir völlig klar.

Mag ja sein, dass es Orte gibt, die nicht ganz ungefährlich sind. Aber bisher haben sich die Leute dort dann immer um mich gekümmert und aufgepasst dass nichts passiert. Lange werden wir nun doch nicht mehr in Russland bleiben was zum einen daran liegt, dass man einfacher durch kommt als ich dachte und ich andererseits auch keine konkreten Ziele mehr habe die ich erreichen wollte. Somit geht es nun als nächstes nach Finnland.

Ich denke, dass ich von dort aus etwas Ausrüstung zurück nachhause schicken werde, die ich nicht mehr brauche.