24.06.2013

Astana

In den letzten Tagen ging es immer nur geradeaus. Aber ich muss sagen, dass ich die Straße zwischen Almaty und Astana richtig gut finde. Landschaftlich gibt es viel Abwechslung und irgendwie habe ich oft das Gefühl gehabt in den USA zu sein. Get your kicks on M36! Wenn man von Almaty aus fährt hat man zuerst noch die Bergpanoramen in Blickrichtung Kirgistan, kommt dann aber erstaunlich schnell aus der grünen Landschaft wieder in die Steppe. Wenn man dann an dem Balkash-See entlang fährt wird die Landschaft hügelig und bietet immer wieder Aussicht auf den türkis schimmernden See. Nur das letzte Stück von Qaraghandy bis Astana ist eher unspektakulär.

Bei den Truckstops komme ich mir erst recht vor, als wäre ich im wilden Westen. Das läuft so: ich binde die Yamaha vor dem Saloon an. Es sind 37 Grad. Die im Schatten herumlungernden Halbstarken haben mich fest im Blick und werden langsam unruhig. Ich lasse die Tür zum Saloon aufklappen - es wird schlagartig still. Was will der Fremde mit dem Helm und der dicken Jacke? Ich versuche mit den paar Worten die ich gelernt habe etwas zuessen zu bekommen. Cowboys reden nicht viel. Ich sitze wie immer am Fenster und beobachte, wie die Yamaha genauestens inspiziert wird.
"A kuda?" (Woher kommst du)
"Germania!"
"Oooooh, Germania! Kuda edisch?" (Wohin fährst du)
"Astana, Rossia, Skandinavia, Germania"
Dann hört der wilde Westen meistens auf. Aber man wird doch irgendwie immer angeguckt.

Irgendwann hatte ich wirklich mal Bedenken, auf der Reise zu vereinsamen. Hier mal ein (etwas umfangreicher) Beitrag zur Kontaktdynamik, wenn man alleine reist:
In Balkash habe ich Bolat wieder getroffen, den ich kurz vor dem Aralsee in Shalkar kennengelernt habe. In Balkash hat er seine Familie und als er erfahren hat dass ich in der Stadt bin, hat er mich direkt ausfindig gemacht :) Eigentlich wollten wir uns in Astana noch einmal traffen, aber es kam etwas anders.

Morgens bin ich Tlek begegnet. Von ihm habe ich einen weiteren Kontakt in Astana vermittelt bekommen (ein AfricaTwin-Fahrer) und außerdem das Angebot, bei ihm im Bürabay Nationalpark vorbei zu kommen, wenn ich zur russischen Grenze fahre.
Ich denke, dass wir das auch machen werden. Ersteinmal müssen mich aber Stephan und Michael in Astana einholen damit wir später zusammen über Russland zurück fahren können. Bei der Einfahrt nach Astana, bin ich auf der Straße Alexej auf seinem Motorrad begegnet. Er hatte mir zunächst angeboten mit mir zusammen ein Hotel zu finden, hat dann aber einfach seinen Freund Genadi angerufen (auch Motorradfahrer) und bei dem bin ich jetzt zu Gast. So habe ich nun allerdings Bolat nicht mehr getroffen. Genadi kennt Bernd, der aus Süddeutschland kommt und hier in Kasachstan bei Eurocopter arbeitet und natürlich auch Motorradfahrer ist. Mit dem habe ich gestern erst einmal telefoniert und der Plan ist, sich heute Abend zu treffen.

Gestern Abend hat mir Genadi aber erst noch die Stadt gezeigt. Im Zentrum sind wir auf Tom mit seiner Tenere 660 gestoßen. Motorräder mit Alukisten lösen bei mir spontane Sprinteinlagen aus und wir haben ihn auch noch gerade erwischt. Er ist auf dem Weg in die Mongolei: http://mesut.bplaced.net/wordpress/
Wordpress wird in Kasachstan übrigens aus irgendeinem Grund blockiert, insofern kann ich selbst mir seine Seite momentan nicht ansehen...
Keine 20 Meter weiter sind wir auf eine Gruppe gestoßen, die am Fluss Salsa getanz hat. Ich traute meinen Augen nicht. Genadi hat mich dann dort mal vorgestellt und ich durfte mitmachen. Prima :)

Das ist ungefähr das letzte was ich erwartet habe, dass ich in Kasachstan Salsa tanze. Eventuell hätten wir noch mit denen weiter ziehen können aber stattdessen haben wir Olga, eine Freundin von Genadi aufgesammelt und sind noch mal zur Stadtrundfahrt durchgestartet. Astana bei Nacht ist schon ein Erlebnis. Olga wohnt eigentlich in St.Petersburg und wenn es passt, kann ich sie besuchen, wenn ich es in ein paar Wochen dort hin geschafft habe. Ich sammle Handynummern ohne Ende.

Leute, habt keine Angst alleine loszufahren, ihr werdet andere coole Leute treffen. Nicht nur in Astana in Kasachstan, sondern auch in Rumänien, in der Türkei, in Russland... Man kommt vom einen zum nächsten. Es ist aber, zugegebenermaßen, ein Vorteil Motorradfahrer zu sein, auf die Jungs ist echt immer Verlass.