Motorrad

Der Anfang und der Weg zur XT600

Mein erstes Motorrad war eine 93'er Suzuki GS500E für 900,-- Euro, die ich mir als Schüler gerade so leisten konnte. Schließlich summiert sich der ganze Spass mit Kleidung, Anmeldung, Versicherung, Steuer und den ersten Tankfüllungen relativ schnell auf einen wesentlich höheren Betrag.
Ich wollte unbedingt ein Fahrzeug mit geringer Kilometerleistung haben, in diesem Fall 26.000Km, und war bereit, dafür einige optische Mängel in Kauf zu nehmen. Wie sich im Laufe der Zeit herausstellte, verbrauchte der Motor ordentliche Mengen Öl und außerdem zog die Maschine immer etwas nach rechts. Tja, am Anfang achtet man da noch nicht so genau drauf. Trotz allem bin ich mit der GS500 ca. 25.000Km gefahren - so viel wie alle 9 Vorbesitzer zusammen.

Aufgrund des herrlich großen Gebrauchtteilemarktes bei diesem Modell und dem wirklich guten GS500 Forum habe ich von Anfang an alle Wartungsarbeiten selbst durchführen können. Gerade bei der GS500 kann man so echtes Geld sparen.

Grundsätzliches zu meiner Fahrzeugwahl

Für mich stand beim Motorradhobby immer der Reiseaspekt im Vordergrund. Mehr reisen, weniger rasen. Das Schlüsselerlebnis, was im Endeffekt den Grundstein für meine Tour nach Osten darstellt, kam auf einer kleinen Straße in den Pyrenäen, als der Asphalt plötzlich aufhörte. Obwohl - oder gerade weil die GS500 überhaupt nicht für die Strecke geeignet war, war ich total fasziniert und mächtig stolz, als ich mit meinem Freund Michi diese Herausforderung gemeistert hatte.

Für Michi war die ganze Geschichte mit seiner Transalp keine ganz so große Herausforderung, abgesehen von der Wasserfurt vielleicht.
Da wurde mir so langsam klar, dass ich, wenn ich solche Strecken noch öfter fahren will eine Enduro brauche: Mehr Bodenfreiheit, andere Reifen, und einen Motor mit Kraft bei niedriger Drehzahl...
Topspeed ist mir außerdem egal solange ich auf der Autobahn mit 120 fahren kann.


Bei einer Größe von 1,67m ist das mit Enduros allerdings so eine Sache. Nach einigen Phasen der Frustration kam irgendwann die Erkenntnis, dass die Sitzhöhe vielleicht doch nicht das größte Problem ist, sondern vielmehr die Kombination von Sitzhöhe und Fahrzeuggewicht.
Inzwischen weiß ich, dass ich durchaus noch andere Enduros als die XT fahren könnte aber in Hinsicht auf das Preis-Leistungsverhältnis ist mir trotzdem noch nichts besseres begegnet und ich komme mit dem Handling wunderbar zurecht. Hab sie bis heute nicht aufgrund der Sitzhöhe umgeschmissen. Die Wartungsfreundlichkeit kommt noch hinzu.
Im Übrigen würde ich für Reisen kein Motorrad kaufen, bei dem die Ventile nicht per Kipphebel gesteuert werden. Ventile einstellen muss auch unterwegs gehen!

Umbauten

Der Vorbesitzer hatte zwar schon einen Sportauspuff, Dauerluftfilter und brauchbare Handschützer montiert.Letztere sind meiner Meinung nach total wichtig, weil sie einem nicht nur andauernd die Hebel retten, sondern auch den Lenker und überhaupt das ganze Motorrad wenn man sich hinlegt - was auf Reisen früher oder später garantiert in mehrfacher Ausführung vorkommt!
Selbst mit Kabelbindern geflickt sind die Handschützer noch wirkungsvoll - meine Ersatzhebel hab ich nie gebraucht.

Aber ansonsten war die XT im wesentlichen noch im Originalzustand und nicht allzu reisetauglich. Es folgten die klassischen Umbauten die eigentlich jeder vornimmt, der mit der XT auf große Fahrt gehen will.

In meinem Fall war die erste Maßnahme natürlich das Abpolstern der Sitzbank.

Anschließend kam der Gepäckträger, an den die Ortlieb Fahrradtaschen sollten.
Siehe auch Gepäckstrategie.

Mit dem 23 Liter Acerbistank ist bei meinem durchschnittlichen Verbrauch von 4,5L/100km auch eine nutzbare Reichweiten von ca. 450 Kilometern machbar. Theoretisch natürlich bis zu 500 Kilometer.

Um die XT noch etwas schlaglochresistenter zu machen, habe ich progressive Gabelfedern verbaut. Bringt relativ viel für relativ wenig Geld - jedenfalls kann die Gabel nicht mehr so leicht durchschlagen. Ein Austauschfederbein kommt für mich schon alleine aus Kostengründen nicht in Frage. Da versuche ich lieber leichter zu packen; der Vorsatz ist in jedem Fall nicht verkehrt.

Mehr so nebenbei ist vorne auch eine Stahlflexbremsleitung hinzugekommen. Die Gummileitungen funktionieren aber eigentlich auch... ein Umbau den man nicht unbedingt machen muss, aber andererseits sollte man die Bremsleitungen früher oder später so wie so erneuern und ob es dann Sinn macht wieder Gummileitungen zu kaufen ist wohl fraglich.

Als Reifen habe ich den MITAS E07 aufgrund seiner angeblich überwältigenden Laufleistung gewählt. (Quelle1, Quelle2)
Der bei vielen beliebte TKC80 schafft normalerweise nicht einmal 10.000 Kilometer und das reicht meiner Meinung nach einfach nicht.
Der Mitas war eine gute Wahl für die Reise. Auf Schotterpister und in der Steppe war er auf jeden Fall tauglich. In weichen Sand hört der Spaß dann allerdings auf. Seine Schwäche ist ansonsten die Regenhaftung, man sollte da sehr vorsichtig sein. Das ist der Preis dafür, dass er tatsächlich sehr lange hält. Auf halber Höhe der Profiltiefe ist eine durchgehende Lauffläche und erst ganz am Ende sieht man die Verschleißmarkierungen. Bis ich ihn auf die durchgehende Lauffläche gebracht hatte, waren 14.000 Kilometer rum. Auf den folgenden 2.000 Kilometern konnte ich keinen weiteren Verschleiß mehr erkennen und es entsteht der Eindruck, dass er ab diesem Zeitpunkt "ewig" hält. Mit 20.000 Km kann man auf jeden Fall rechnen und ich denke, dass er bei meiner Fahrweise auch 25.000 Km hält. Wenn ich die gleiche Reise noch mal machen würde, würde ich kein Paar Ersatzreifen mehr mitnehmen, sondern einfach auf den Mitas vertrauen. Ein richtig geiler Reisereifen!

Für zu Hause ziehe ich aber Reifen mit excellenter Regenhaftung vor. Das war bislang immer der Anakee 2 und da der nun nicht mehr produziert wird, gebe ich jetzt dem Heidenau K76 eine Chance.

Um Wartungsarbeiten zu erleichtern, habe ich einen Hauptständer angebaut. Im Originalzustand hat die XT keinen, aber wenn man die Reifen auch außerhalb einer Werkstatt wechseln oder flicken möchte, ists es schon sehr hilfreich wenn man einen hat. Der Ständer den ich gekauft habe, hatte allerdings leider keinen Tritt der das Aufbocken erleichtert. Außerdem war er länger als nötig, sodass das Hinterrad eine Hand breit über dem Boden geschwebt hat. Somit konnte ich die XT alleine unmöglich auf den Ständer bekommen. Dank eines Schweißkurses und Zugang zu einer Werkstatt mit Schweißgerät, konnten Michi und ich dieses Problem nun nachhaltig lösen :-)

Mit gekürztem Ständer und Tritt, ist das Aufbocken nun ganz einfach. Natürlich haben wir darauf geachtet, dass in jedem Einfederungszustand der Hinterradschwinge genügend Platz zum Ständer vorhanden ist.

Darüber hinaus hat es mich schon immer genervt, dass das Motorrad auf Wiesen oder Sand so leicht mit dem Seitenständer einsinkt. So geht auf der Campingwiese bei der Ankunft jedes mal die große Suche nach dem geeigneten Stein los...
Die Idee, einfach eine breitere Platte an den Ständer zu schrauben oder zu schweißen, ist naheliegend. Ich habe die Platte der Kontour der originalen Platte am Seitenständer angepasst und rundherum 1,5 cm dazugegeben. Anschließend habe ich die Platte einfach nur an vier Punkten angeschweißt. Das hat bis heute gut gehalten und hat den Vorteil, dass falls sich der Prüfingenieur bei der nächsten Hauptuntersuchung beschwert, ich die Platte relativ leicht wieder abtrennen kann.

Scottoiler Kettenöler mit Spritzenkanüle

Ich hatte dank dem Kettenölsystem mit einer Laufleistung der Kette von 25.000-30.000 Kilometern gerechnet. Tatsächlich habe ich sie auch erst nach 25.000 Kilometern gewechselt. Aber es war gut, dass ich ein Ersatzritzel dabei hatte, das musste ich nämlich auf der Rückreise durch Russland montieren. Außderdem habe ich den Fehler gemacht, in Kasachstan den Kettenöler nicht zu deaktivieren. Ich hielt es immer für Blödsinn aber ich fürchte, dass das Öl in Verbindung mit dem allgegenwärtigen Staub tatsächlich eher schädlich für die Kette ist. Das kann man an verschiedenen Stellen lesen und ich behaupte es nun auch.
Meine Konstruktion aus einem Kunststoffröhrchen, welches zusammen mit der Spritzenkanüle von Schrumpfschlauch ummantelt ist, hat sich bewährt. Irgendwann habe ich die Kanüle wohl mal zu nah an die Muttern vom Kettenrad gedreht sodass sie abgebrochen ist. Aber in dem Fall kann man ja einfach eine neue Kanüle dran schrumpfen. Gefällt mir nach wie vor.

Werkzeugrolle aus Metall

Die Werkzeugrolle besteht aus einem alten Stück Auspuffrohr (so schien es jedenfalls), bei welchem ich auf eine Seite einen Deckel geschweißt habe. Auf der anderen Seite habe ich zwei Winkel und zwei Muttern aufgeschweißt, woran man den anderen Deckel festschrauben kann. Als Dichtung habe ich ein Stück Fahrradschlauch aufgeklebt. Ein Schloss spare ich mir, denn um etwas zu klauen, müsste man erst die M6er Schrauben lösen und ich gehe einfach mal davon aus, dass das keiner macht (war auf der Reise tatsächlich kein Problem). Genau so gut könnte man ja irgendwelche anderen Teile vom Motorrad abschrauben. Befestigt wurde die Rolle mit handelsüblichen Rohrschellen, was sich bis heute gut bewährt hat. Wer noch Anregungen sucht, kann ja mal bei den Fotos vom Tesch-Treffen 2014 rein schauen.

Oben auf die Werkzeugrolle habe ich die Reifenmontierbebel einfach in einem Stück Fahrradschlauch verpackt mit Kabelbindern festgezurrt. So oft braucht man die Dinger normaler Weise ja nicht.

Bei der luftgekühlen XT ist ein Ölthermometer definitiv empfehlenswert. Im Stau in Istanbul hielt ich es bei über 140 Grad so langsam für sinnvoll den Motor auf dem Gehweg etwas abkühlen zu lassen und die Information muss ja irgendwo her kommen. Hinzu kommt, dass sich ein zu niedriger Ölstand irgendwann auch dadurch bemerkbar macht, dass die Öltemperatur bei geringer Belastung des Motors trotzdem immer recht hoch ist. Konkret heißt das: bei einer Außentemperatur von 20 Grad und einer Öltemperatur von 120 Grad bei entspannter Gangart solle man mal nach dem Ölstand gucken. Bei mir liegt er in dem Fall ungefähr bei der Min Markierung.
Da die korrekte Ermittlung des Ölstands bei der XT leider total kompliziert ist, fülle ich aber immer lieber konservativ nach, bevor nachher zu viel Öl drin ist.

Auf Reisen würde ich auch im Nachhinein einen Benzinfilter verbauen. Bis zum Ende der Tour hatte sich da schon einiges drin gesammelt. Und zwar neben schlammartigen Ablagerungen auch einige weiße Kunststoffspäne, die offensichtlich vom Acerbistank stammen... Insofern würde ich fast behaupten, dass man bei einem neuen Acerbistank nicht darum herum kommt. Ich habe den großen durchsichtigen und auswaschbaren Filter aus dem KEDO Sortiment genommen. Durchflussprobleme gabs nie.

FePo4
Da es für mich fast unmöglich ist meinen 600er Einzylinder anzuschieben und ich mich eine Zeit lang mit kaputten Bleiakkus herumgeärgert hab, bin ich auch im Nachhinein sehr froh mich für eine teure, aber sehr reisegeeignete FePo4 Batterie entschieden zu haben. Alternativ wäre ein Kickstarter natürlich noch schöner - hab ich aber nun mal nicht, wie leider fast alle etwas "neueren" Reisemotorräder.
Ich musste die Batterie noch nie laden und sie hat Durchzug ohne Ende. Da merkt man nicht gleich nach vier Motorumdrehungen Ermüdungserscheinungen wenns mal Startprobleme gibt (was ja schon der Fall sein kann wenn man nur versäumt schnell genug auf Reserve zu schalten...)