Zelt

Billige Zelte - wirklich so schlecht?

An diversen Stellen wird grundsätzlich von billigen Zelten dringend abgeraten. Sie gehen sofort kaputt, stellen ihre Funktion beim ersten Regen ein - allerspätestens bei Wind usw.

Ich kann diese Aussage nur bedingt bestätigen. Sicherlich sind teurere Zelt fast immer besser als günstigere. Für meine Reise nach Russland habe ich deswegen auch ein hochwertigeres Zelt gekauft.
Trotz allem sind wir in Frankreich 7 Wochen lang, auch bei tagelangem Regen und starkem Wind in den Bergen mit unserem Billig-Zelt glücklich gewesen. Es hat damals im Angebot bei Louis 25,- € gekostet. Aber allein durch die geeignete Konstruktion (doppelwandiges Kuppelzelt mit drei Stangen, zwei Eingängen und Gewebeplane als Bodenwanne) war es immer dicht, warm, stabil und komfortabel. Insgesamt hat es ca. 9 Wochen Benutzung bei fast täglichem Auf- und Abbau gehalten und ist immer noch einsatzbereit.
Wenn man sich nicht daran stört ggf. mal eine Lasche neu anzunähen und sich mit den weichen Häringen arrangieren kann, lässt es sich auch mit solch einem billigen Zelt gut auskommen. Zuletzt mussten wir auch mal ein Fiberglassegment  austauschen, das gerissen war. Die 1,50€ war es uns dann aber doch noch wert, denn der nächste Einsatz kommt bestimmt.

Das Zelt, was auf dieser Reise über fünf Jahre benutzt wurde, hat im übrigen auch nur 25,-€ gekostet. (Vgl. MotorradAbenteuer 5/2010 S.73)

Die Vernunft hat doch gesiegt

Trotz meiner eher positiven Erfahrungen mit günstigen Zelten, bin ich mir sicher, dass man für eine Reise über mehrere Monate außerhalb Europas doch besser ein hochwertiges Zelt kaufen sollte. Da ich grundsätzlich nur bei Regen campe, bin ich ein Fan von Kuppelzelten bei denen das Innenzelt eingehängt wird. Konstruktionen mit übergeworfenem Außenzelt halte ich für schlichtweg verfehlt ;-)

Und gewonnen hat nach einiger Zeit der Recherche das Rejka Vanua.
Darauf aufmerksam geworden bin ich hier: www.long-expeditions.de/Informationen-/Zelte/Schlafsaecke

Eigentlich wollte ich die etwas kleinere Variante für zwei Personen nehmen, habe mich aber zu Gunsten der Sitzhöhe im Zelt doch lieber für die etwas größere Drei-Mann-Version entschieden.

Wichtig ist mir unter anderem, dass es ein weitgehend frei stehendes Zelt ist, weil ich schon oft sehr steinige Böden unter mir hatte. Solange das Wetter nicht zu schlecht ist, muss man das Zelt dann nicht besonders sichern.

Außerdem lege ich Wert auf zwei Eingänge und zwei Apsiden. Das steigert den Komfort bei zwei Personen gewaltig. Für meine Reise gen Osten war es eigentlich überflüssig aber es ist mir trotzdem lieber so.

Ein doppelwandiges Zelt ist selbstverständlich. Interessanter Weise gibt es aber erstaunlich viele Zelte im Angebot, bei denen man das Innenzelt aufstellt und das Außenzelt drüber spannen muss. Das bringt eigentlich nur etwas, wenn man in heißen Regionen nur im Innenzelt schlafen möchte. Sobald man aber bei Regen das Zelt aufstellen will, ist Feierabend - das Vanua hat natürlich ein freistehendes Außenzelt.

Sehr angenehm beim Aufbau sind die, heutzutage gängigen, Alugestänge in Verbindung mit durchgängigen Gestängekanälen. Einfach durch schieben und das wars. Da hakt nichts. Insbesondere wenn man das Zelt alleine aufstellen will ist das sehr von Vorteil.
Falls eine Stange tatsächlich bricht, kann man das Problem mit einer Reparaturhülse leicht lösen. Ich bin aber nicht in die Verlegenheit gekommen.

Eine gute Sache speziell beim Vanua, sind die von innen verschließbaren Belüftungsöffnungen. Im Innenzelt sind entsprechende Reißverschlüsse angebracht und somit muss man bei Wetterverschlechterungen nicht unbedingt ums Zelt laufen, um es dicht zu machen.

Auch nach der Reise kann ich sagen, dass das Rejka Vanua eine sehr gute Entscheidung war. Es ist ein hochwertiges Zelt und gut durchdacht. Weder der Zeltstoff, noch die Alugestänge haben Probleme gemacht.

Lediglich die Häringe haben genervt, weil sie aus Alu sind und somit ziemlich weich. Aber das hat letztlich mit dem Zelt nichts zu tun. Nächstes mal packe ich wieder die guten, alten, schweren - aber stahlharten Stahlnägel ein.

Eine Sache hat mich beim Zelten allerdings schon immer genervt, nämlich dass man es morgens immer in den unterdimensionierten Packsack fummeln muss. Gerade im nassen Zustand macht das alleine überhaupt keinen Spass.
Ich bin während der Russlandtour igendwann dazu übergegangen, dass Zelt einfach in die Unterlageplane einzuwickeln. Das funktioniert sehr gut; man hat die Möglichkeit je nach Lust und Laune die Rolle eher länglich oder dick zu machen und spart viel Zeit und Nerven. Einfach die Zeltplane aufs gewünschte Format zusammenlegen und in die Baumarkt-Gewebeplane einrollen, Enden umklappen und mit einem Netz aufs Motorrad schnallen. Wenn man das Zelt vom Motorrad abnehmen will, kann man einfach die Haken vom Gepäcknetz ineinander haken und hat ne stabile Rolle. Sieht nicht so schön aus, unterwegs interessiert einen aber irgendwann nur noch die Praxistauglichkeit.