Kochen - die Religion

Nach einigem Zögern schreibe ich jetzt doch noch einen Kommentar zu dem Thema.
Für kaum einen anderen Ausrüstungsgegenstand betreiben outdooraffine Leute so viel Aufwand und geben liebend gerne so viel Geld aus wie für Kochutensilien. Und jeder schwört auf seinen perfekten Kocher mit dem perfekten Brennstoff. Dabei ist die ganze Geschichte meiner Meinung nach etwas überbewertet...

Jeder, der auf (größere) Tour geht, denkt sich natürlich: "Ich muss unbedingt zu jeder erdenklichen Zeit Essen zubereiten können um auf jeden Fall immer autark zu sein und Tage lang alleine überstehen können, egal welche Umstände auch immer mich auf meiner ultra-harten Tour erwarten."
Ich nehme mich selbst davon nicht aus ;-)

Anschließend wird von den meisten Leuten konsequent ein fetter Benzinkocher angeschafft, da man den Brennstoff ja immer im Tank hat. Dass man zum Betrieb eigentlich gereinigtes Benzin braucht und ansonsten ständig mit Wartungsarbeiten beschäftigt ist wird genau so ausgeblendet wie, dass man bei Regen aufgrund der hoch-giftigen Abgase nicht einmal vorsichtig in der Apside gekochen kann. Wenigstens haben die Dinger genug Power um die Gulaschkanone für eine ganze Pfadfindergruppe zu befeuern.
Man sollte vor seiner Reise einmal ehrlich zu sich selbst sein und überlegen warum man meint, seinen halben Koffer voller Krams zum Kochen packen zu müssen, unabhängig davon welchen Kochertyp man bevorzugt.

Ich habe für mich herausgefunden, dass mir das abendliche Kochen auf Tour immer dann besonders wichtig ist und Spass macht, wenn man einen oder mehrere Reisepartner hat. Nach einem verregneten Tag kann einem das gemeinschaftliche Kochen echt die Gruppenmoral retten und alles wird gut.
Insofern würde ich bei Urlaubstouren von wenigen Wochen zusammen mit einem Freund am ehesten auf einen gängigen Gaskocher zurück greifen. Mit einer Kartusche sind wir bislang immer ungefähr 10 Tage ausgekommen. Stinkt nicht, ist sauber und nicht giftig bei ordentlichem Heizwert.

Wenn man aber alleine los zieht, kann man eigentlich auch komplett auf Kochausrüstung verzichten oder sich auf die absolute Minimalversion beschränken. Letztendlich steigt der Fahrspass umgekehrt proportional zum Beladungsgrad.
Man sollte sich nichts vor machen. Überall auf der Welt essen die Einheimischen irgendetwas und verkaufen auch gerne etwas weiter. Üblicherweise direkt neben der Straße auf der man sich mit dem Motorrad ja meistens befindet.
Autark sein muss man nur mit dem Rucksack in den Bergen oder Alaska oder so...

Ich würde in Zukunft meinen Speiseplan von vorneherein darauf auslegen, die von den Einheimischen fertig gekochten Sachen zu kaufen. So lernt man mehr über die Kultur und kommt leicht in Kontakt. Morgens reichen mir eigentlich auch Wasser und Kekse oder etwas Brot und auch abends kann man sich auf kalte Küche beschränken ohne sich besonders einzuschränken.
Natürlich ist es ganz schön sich mal nen Tee machen zu können oder ne Tüte Instantnudeln im Becher - aber vielleicht tuts dafür ja auch ein kleiner Esbitkocher für 4 Euro..?

Mein Spirituskocher, den ich mit in Russland hatte, ist zwar schön klein aber die Spiritusflasche will auch verpackt werden, genau wie der 1,8-Liter-Topf. Die meiste Zeit habe ich den Kram nicht gebraucht.

Abschließend kann man vielleicht sagen, dass jeder Reisende irgendwelchen überflüssigen Kram mit sich herum schleppt der ihm wichtig ist. Jeder. Je mehr Reisende man trifft, umso öfter sieht man, dass alle grundsätzlich gut ausgerüstet sind und jeder einzelne irgendetwas dabei hat was alle vorherigen nicht dabei hatten. Gut, Kochsachen haben die meisten dabei und wer nun Wert auf eine besonders gute Campingküche legt, kann von mir aus auch besonders viel mitnehmen wenn ers dann alleine tatsächlich so oft nutzt...

Jeder darf sich selbst aussuchen was er umsonst durch die Gegend fährt :)