Gepäckstrategie

Fahrradpacktaschen anstelle von Koffern oder Aluboxen

Früher habe ich, wie die meisten Fahrer, gerne Seitenkoffer fürs Gepäck benutzt.
In Hinsicht auf den Diebstahlschutz sind sie ja auch sehr praktisch und außerdem leicht zu packen und abnehmbar.
Durch die starre Befestigung werden von den Koffern oder Aluboxen bei Erschütterungen aber große Drehmomente auf den Träger und das Motorradheck übertragen. Bei Stürzen natürlich erst recht. Manche versuchen ihre Gepäckträger so massiv und stabil zu bauen, dass sie einfach "alles" aushalten. Das halte ich für Blödsinn weil die Energie bei Umfallern oder Stürzen irgendwo hin geht und etwas verformt - wenn nicht das Gepäckstück, dann den Träger und ansonsten den Motorradrahmen. Im besten Fall verformt man natürlich die Erde bzw. den Asphalt - aber so stabil wird niemand bauen können.

Wenn man im Internet recherchiert, findet man etliche Berichte von gebrochenen Kofferträgern - an welchen fast grundsätzlich fette Aluboxen hängen.
Das Buch "Reisen light" von Thomas Sadewasser gab dann den entscheidenden Anstoß zu einer eher seltenen Variante: Ortlieb Fahrradtaschen.

Durch beiliegende Adapterstücke können die Taschen an Gepäckträgern mit verschiedenen Rohrdurchmessern befestigt werden. So kann ich sie sowohl am Fahrrad als auch an der XT verwenden. Sie lassen sich - im Prinzip wie Koffer - einfach an den Träger anclipsen und sitzen dann fest. Um Wasserdichtigkeit muss man sich bei Ortlieb ja bekanntlichermaßen keine Sorgen machen.
Da die Taschen natürlich nicht starr und nicht so breit wie Koffer sind, gehe ich von einem deutlich geringeren Drehmoment aus und im Falle eines Sturzes ist es mir lieber wenn die Taschen und deren Inhalt die Energie der Kollision aufnehmen. Die Taschen kann ich mit Nadel und Faden immernoch am leichtesten unterwegs reparieren und PU-Kleber garantiert auch danach wieder Wasserdichtigkeit (die Beschichtung der Taschen ist auch aus PU).
Die stabile Alubox hingegen gibt vom Aufprall viel in den Träger weiter. Wenn er schlecht gebaut ist, geht er kaputt und man kann sich auf die Suche nach einem Schweißer machen. Anschließend bricht er natürlich immer wieder direkt neben der Schweißnaht weil das Metall beim Schweißen versprödet. Wenn er (zu) gut gebaut ist, gibt er den Aufprall ans Rahmenheck weiter, welches auch nicht beliebig viel aushält und spätestens dann hat man wirklich ein Problem.

Mir sind die weichen Taschen inzwischen sympatischer, da sie eine große Flexibilität bieten. Wenn etwas an ihnen kaputt geht kann ich es selbst reparieren und zur Not gibt es viele Möglichkeiten zum improvisieren. Das sehe ich bei Koffern und Aluboxen nicht so sehr gegeben.

Ich habe mich auf der Reise nach Osten ungefähr sieben mal mit dem Motorrad hingelegt. Das erste und schlimmste mal in Ungarn bei Nässe aus schätzungsweise 40 km/h. Die Tasche war ein gutes Polster für meine XT und ist dabei nicht einmal aufgerissen. Nur den einen Befestigungspunkt musste ich mit Kabelbindern flicken und das hält bis heute.
Die folgenden Stürze waren eher Umfaller auf losem Untergrund in Kasachstan.

Was ich an den Taschen am meisten vermisse ist der Diebstahlschutz.
Die elementar wichtigen Teile des Equipments packe ich deswegen ins Topcase.
Viele Leute raten vom Topcase aus Gründen der Gewichtsverteilung generell ab, aber ich denke, dass es darauf ankommt wie weit hinten es platziert ist. Bei den BMW GS Modellen sitzt der Topcaseträger hinter der Hinterachse, fast schon hinter dem Hinterrad. Bei meiner XT sitzt es eher auf der Hinterachse, was wesentlich günstiger ist.

Gepäckverteilung

Das ist meine persönliche Art und Weise. Gepäckverteilung nach Wichtigkeit. Bei Possi oder Enduroreisende steht in den Packtipps zu Gunsten der Gewichtsverteilung etwas anderes.

 

Wertvolles in den Tankrucksack:

  • Lade-Elektronik

  • Kamera


Wichtiges in das Topcase: die elementaren bzw. schwerer ersetzbaren Utensilien sind abgeschlossen

  • Schlafsack

  • Kissen

  • Isomatte

  • Werkzeug

  • Tagebuch

 

Robustes/Weiches/Ersetzbares in die Packtaschen:

  • Kleidung

  • Kochutensilien

  • Verpflegung

  • Wasser

  • Spiritus

  • Motoröl